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Das Wort des Präsidenten

Frank Pfirter 30.10.2018

Wird das 100. Neueneggschiessen im 2019 wirklich das ENDE bedeuten

Ja, es sieht ganz danach aus. Die Umweltauflagen mit Zielhangsanierung, reziklierbaren Kugelfängen und Lärmbelastung lassen kaum mehr ein historisches Schiessen zu. Die finanzielle Belastung pro Schütze wäre kaum mehr tragbar. Umso schlimmer ist es für uns Scharfschützinnen und Scharfschützen, weil das Neueneggschiessen eines unserer wesentlichsten Standbeine darstellt, insbesondere natürlich für die historischen Gruppen. Mehr als ein Jahrhundert und bis heute konnten wir nicht nur den Präsidenten der Neuenegg Kommission stellen, sondern auch diverse wichtige Chargen wie beispielsweise Kassier und Sekretär bestellen, natürlich immer mit der grossartigen Unterstützung der Feldschützen Neuenegg.


Der Scharfschützenverein ist der Gründer – das erste Schiessen fand am 2. März 1913 statt. Die 2013, 100 Jahre später, erschienene Gedenkschrift wurde von Hans-Peter Beyeler, dem bestverbundenen Neuenegg-Schützen und langjährigen Kommissionsmitglied mit sehr viel Herzblut verfasst, was zu einem grandiosen Dokument führte. Darin kommen 100 Jahre Schützentradition zum Vorschein, die den Lesenden manch herrliche Kuriosität aus dieser bewegten Zeit näherbringt. Ihm gebührt meine Hochachtung und mein herzlichster Dank!


Nach dem ersten Schiessen 1913 schrieb gar der damalige Gemeinderat: „die Feier war für Neuenegg eine angenehme Überraschung. Wir danken ihnen und glauben versichern zu dürfen, dass sie jederzeit auf die Mithilfe der Behörden rechnen können. Auf Wiedersehen“. Und so trafen sich die Schützinnen und Schützen über hundert Jahre lang (ausgefallen waren 1917 wegen 1. Weltkrieg, 1938 Maul- und Klauenseuche, 1940/43 wegen 2. Weltkrieg) zu einer grossartigen Berner-Tradition.
 
Für mich persönlich ist der Traditionsbruch doppelt schwer, haben wir doch bisher in der Familie schon mit 4 Generationen teilgenommen und in der Organisation mitgearbeitet.

Mir ist klar, man muss auch loslassen können – es war wunderbar, einzigartige Kameradschaften und liebgewonnene Freunde – was gibt es Schöneres?
 
In diesem Sinne wünsche ich eine hoffentlich kalte Winterzeit, für den Jahreswechsel nur das Allerbeste und – haben wir noch Traditionen!?
 
 
                                                                                                    Euer Präsident
 
 
                                                                                                    Frank Pfirter